030 31197554 Mo-Sa: 8-16 Uhr

Welpe beißt - was kann ich tun?

🗓️ 13.05.2026

Wenn ein Welpe beißt, geraten viele Hundehalter schnell an ihre Grenzen. Hände, Kleidung, Möbel oder Schuhe werden plötzlich zum Lieblingsziel der kleinen spitzen Milchzähne. Doch so anstrengend dieses Verhalten auch sein kann: Welpenbeißen ist zunächst völlig normal.

Junge Hunde müssen erst lernen, ihre Beißkraft zu kontrollieren. Genau dabei kannst du deinen Welpen mit Geduld, klaren Regeln und den richtigen Kaualternativen unterstützen.

Dieser Gastbeitrag von Hundetrainerin Katja Krauß von der Hundeschule GREH erklärt, warum Welpen beißen, wie du richtig reagierst und welche Fehler du vermeiden solltest.

Warum beißen Welpen überhaupt?

Welpen erkunden ihre Welt mit dem Maul. Ähnlich wie kleine Kinder ihre Hände benutzen, setzen junge Hunde ihre Zähne ein, um Dinge zu untersuchen, zu tragen oder darauf herumzukauen.

Hinzu kommen weitere Faktoren:

Besonders wichtig ist dabei zu verstehen: Welpen beißen in der Regel nicht aus Aggression. Meist handelt es sich um normales Spiel-, Lern- oder Erkundungsverhalten, das Welpen dringend benötigen, um sich gesund entwickeln zu können.

Neugier, Ausprobieren und das Sammeln eigener Erfahrungen gehören zu einer wichtigen Grundlage dafür, dass aus einem Welpen ein sozial sicherer und ausgeglichener erwachsener Hund werden kann.

Warum die Beißhemmung für Hunde so wichtig ist

Hunde besitzen sehr kräftige Kiefer. Damit das Zusammenleben mit Menschen und anderen Hunden funktioniert, müssen sie lernen, ihre Beißkraft zu kontrollieren. Diese Fähigkeit nennt man Beißhemmung.

Nur sehr wenige Hunde werden mit einem „weichen Fang“ geboren. Genau deshalb hat die Natur Welpen mit nadelspitzen Milchzähnen ausgestattet. Diese gleichen die noch nicht vollständig entwickelte Kieferkraft aus und sorgen dafür, dass andere Hunde oder Menschen sofort Rückmeldung geben, wenn der Biss zu fest wird.

Im Spiel mit Mutter und Geschwistern lernt ein Welpe normalerweise, wie fest er zubeißen darf. Beißt er zu stark, quietscht der Spielpartner auf oder beendet das Spiel.

So versteht der junge Hund Schritt für Schritt: Zu grobes Verhalten hat unangenehme Konsequenzen.

Zieht der Welpe in sein neues Zuhause, müssen Menschen diese Aufgabe übernehmen.

Wichtig dabei:
Es geht nicht darum, den Hund anzuschreien oder zu bestrafen. Viel hilfreicher sind klare, ruhige und liebevolle Rückmeldungen.

Beim Spiel klare Regeln vermitteln

Beim gemeinsamen Spielen können Hunde besonders gut lernen, ihre Zähne kontrolliert einzusetzen.

Sehr hilfreich ist es, mit geeigneten Spielzeugen zu spielen und dem Welpen zu zeigen:

„Sobald deine Zähne meine Haut unangenehm berühren, endet das Spiel.“

Bewegen Sie das Spielzeug dabei möglichst spannend. Tun Sie so, als wäre es eine flüchtende Maus:

  • mal schnell

  • mal langsam

  • hüpfend

  • sich versteckend

  • überraschend die Richtung wechselnd

So lernt der Welpe, sich auf das Spielzeug statt auf Hände oder Kleidung zu konzentrieren. Lerntheoretisch ist es besonders effektiv, wenn dem Welpen jederzeit eine passende Alternative zur Verfügung steht, sodass es idealerweise gar nicht erst zu unerwünschtem Beißen in Hände oder Beine kommt. Dafür können im Alltag überall kleine Spieltaue, Kauspielzeuge oder auch geknotete alte Socken (nur sicher und kontrolliert verwendet) bereitliegen, sodass sofort umgelenkt werden kann, sobald der Welpe Interesse an der Hand zeigt.

Sobald der Hund allerdings Ihre Finger unangenehm mit den Zähnen berührt, reagieren Sie sofort:

  • Sagen Sie ruhig „Aua“

  • Beenden Sie das Spiel kurz

  • Nehmen Sie das Spielzeug weg

  • Wenden Sie sich für einige Sekunden ab

Dieser kurze Spielabbruch zeigt dem Welpen, dass er bitte etwas vorsichtiger werden soll. Das Wort „Aua“ wird mit der Zeit zu einem konditionierten Signal.

Allerdings braucht Lernen Wiederholungen. Manche Welpen reagieren schnell vorsichtiger, andere benötigen deutlich länger. Wichtig ist dabei vor allem liebevolle Konsequenz.

Vom ersten Tag an passende Kauartikel anbieten

Ein ganz zentraler Punkt wird häufig unterschätzt: Welpen brauchen von Anfang an geeignete Kauartikel.

Kauen gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen eines Hundes. Wer dem Welpen sinnvolle Alternativen anbietet, verhindert oft schon viele Probleme.

Dabei sollten Kauartikel immer an:

  • die Rasse

  • die Größe

  • das Alter

  • die Kieferkraft

  • und das individuelle Kauverhalten

angepasst werden.

Ein kleiner Chihuahua benötigt selbstverständlich andere Kauartikel als ein Labrador, Schäferhund oder Cane Corso.

Zu harte Produkte, z.B. Hartplastik, können junge Zähne beschädigen. Zu kleine Kauartikel bergen dagegen die Gefahr des Verschluckens.

Geeignete Möglichkeiten sind beispielsweise:

  • spezielle Welpen-Kauknochen

  • Ochsenziemer

  • Schweineohren

  • Hunde-Kaukäse

  • Geweihe

  • Wurzeln

  • Kaninchenohren

  • robuste Kauspielzeuge

  • Schleckmatten

  • gefüllte Kongs

  • kühlbare Kauhilfen

Besonders beliebt sind gefüllte Kongs. Diese können beispielsweise mit Leberwurst oder Erdnussbutter befüllt und anschließend eingefroren werden. Das längere Schlecken und Kauen wirkt auf viele Hunde beruhigend und beschäftigt sie sinnvoll.

Warum Möbel für Welpen so interessant sind

Viele Hundehalter ärgern sich, wenn plötzlich Tischbeine, Schuhe oder Teppiche angekaut werden. Aus Sicht des Welpen ist das allerdings nachvollziehbar.

Stellen Sie sich einmal mitten in Ihre Wohnung oder ihr Haus und zählen Sie alle Gegenstände, die nicht für Hundezähne gedacht sind. Vermutlich kommen Sie auf mehrere hundert Dinge.

Und wie viele Gegenstände gehören tatsächlich dem Hund?

Vielleicht fünf. Vielleicht zehn.

Da Hunde schlecht generalisieren, ist es für einen Welpen enorm schwierig zu verstehen, warum manche Dinge erlaubt und andere verboten sind. Zumal auch noch Schuhe so toll nach ihrer geliebten Person riechen und schmecken.

Damit der Welpe schneller versteht, was erlaubt ist, helfen klare und einfache Strukturen:

  • immer viele erlaubte Kauartikel anbieten

  • interessante Alternativen schaffen

  • wenn möglich, unerwünschte Gegenstände wegräumen

  • den Welpen nicht unbeaufsichtigt lassen

Je mehr sinnvolle Kauobjekte zur Verfügung stehen, desto einfacher lernt der Hund, worauf er kauen darf.

Der Zahnwechsel als besondere Herausforderung

Zwischen dem dritten und siebten Lebensmonat beginnt der Zahnwechsel. In dieser Zeit fallen die Milchzähne aus und das bleibende Gebiss wächst nach.

Viele Welpen verspüren dabei Druck, Schmerzen oder Juckreiz im Maul. Deshalb steigt das Kaubedürfnis häufig deutlich an.

Wenn der Hund nun verstärkt an Möbeln oder anderen Gegenständen kaut, sind Strafen nicht sinnvoll.

Viel sinnvoller ist es, ihm Erleichterung zu verschaffen.

Ein einfacher Tipp:

Tauchen Sie einen Waschlappen oder ein kleines Handtuch in Fleischbrühe und legen Sie es anschließend in den Tiefkühler. Im gefrorenen Zustand darf der Welpe darauf kauen.

Die Kälte kann das gereizte Zahnfleisch beruhigen und Schmerzen lindern.

Auch gekühlte Kauartikel oder Schleckspielzeuge werden in dieser Phase oft sehr gerne angenommen. Gefrorene, gefüllte Kongs sind für viele Hundekinder der große Hit.

Typische Fehler im Umgang mit beißenden Welpen

Viele Schwierigkeiten entstehen unbeabsichtigt durch ungünstige Reaktionen im Alltag.

Zu viel körperliches Spielen

Wer den Welpen ständig mit Händen oder Füßen „aufdreht“, fördert häufig unbeabsichtigt das Beißen.

Besser sind kontrollierte Spiele mit geeignetem Spielzeug.

Strafen oder Schimpfen

Körperliche Strafen oder lautes Anschreien machen viele Welpen unsicher oder noch aufgeregter.

Lernen funktioniert deutlich besser darüber Alternativen zu schaffen.

Zu wenig Ruhe

Viele Welpen beißen verstärkt, wenn sie eigentlich übermüdet sind.

Junge Hunde benötigen oft bis zu 18 Stunden Ruhe am Tag. Fehlt diese Erholung, drehen manche Welpen regelrecht auf. Hierbei kann ein Tellington-Körperband wahre Wunder bewirken. Es ist einfach anzulegen und lässt viele Welpen direkt einschlafen.

Zu wenige erlaubte Kaualternativen

Wenn ein Hund ständig hört, worauf er NICHT kauen darf, aber kaum erlaubte Alternativen besitzt, entsteht Frust.

Geeignete Kauartikel helfen dem Welpen dabei, sein natürliches Bedürfnis sinnvoll auszuleben.

Selbstkontrolle entsteht Schritt für Schritt

Welpen können lernen, sich mit festen Bissen zurückzuhalten. Sie sind jedoch meist noch nicht in der Lage, sich sofort in allen Situationen perfekt zu kontrollieren. Das ist ganz normal.

Selbstbeherrschung entwickelt sich am besten in kleinen und nachvollziehbaren Lernschritten.

Kurze Erfolgserlebnisse helfen deutlich mehr als überfordernde Erwartungen.

Geduld spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Die unterstützende Wirkung von Tellington TTouch®

Ergänzend zur klassischen Welpenerziehung empfinden viele Hundehalter die Arbeit nach Linda Tellington Jones (Tellington TTouch®) als hilfreich.

Dabei werden durch spezielle Berührungen am und im Maul das limbische System und damit emotionale Lernprozesse angesprochen.

Besonders Hunde, die stark schnappen, hektisch reagieren oder Schwierigkeiten mit Impulskontrolle haben, profitieren häufig von ruhigen Maul-TTouches®. Die können in Online oder Live Seminaren von zertifizierten Tellington Lehrerinnen erlernt werden.

Viele Hunde wirken dadurch entspannter und lernen leichter, ihr Verhalten schnell besser zu regulieren.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Normales Welpenbeißen gehört zur Entwicklung. Dennoch gibt es Situationen, in denen Unterstützung hilfreich sein kann.

Zum Beispiel wenn:

  • der Welpe extrem heftig zubeißt

  • Verletzungen entstehen

  • der Hund kaum zur Ruhe kommt

  • Unsicherheit oder Angst eine große Rolle spielen

  • das Verhalten ständig zunimmt

Eine moderne Hundeschule oder ein fair arbeitender Hundetrainer kann helfen, das Verhalten richtig einzuordnen und individuell passende Lösungen zu finden.

Fazit: Welpenbeißen gehört zur normalen Entwicklung

Wenn ein Welpe beißt, handelt es sich in den allermeisten Fällen um normales Entwicklungsverhalten. Junge Hunde müssen erst lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren und angemessen mit Menschen umzugehen.

Der wichtigste Schlüssel liegt darin, dem Welpen von Anfang an sinnvolle Alternativen anzubieten. Passende Kauartikel – abgestimmt auf Alter, Größe und Rasse – helfen dem Hund dabei, sein natürliches Kaubedürfnis auszuleben.

Ebenso wichtig sind ruhige Konsequenz, klare Regeln und ausreichend Ruhephasen.

Durch wiederholte, verständliche Rückmeldungen lernt der Welpe nach und nach:

„Menschenhaut ist empfindlich – Spielzeug und Kauartikel dagegen sind zum Kauen da.“

Was hast du für ein Haustier?
Wie können wir deiner Tier helfen?
Termingrund finden
heart
product
Geschenk für dich 🎁

Wissen von Tierärzten abonnieren & 10 % Rabatt sichern

Mit unserem Newsletter erfährst du alles zuerst: Tipps & Tricks unserer erfahrenen Tierärzte, exklusive Shop-Angebote & neue Produkte.

Nur gültig bei erstmaliger Anmeldung.

Willkommen im Rudel! Bitte überprüfe deinen Posteingang auf Nachrichten von uns. 💚

Deine E-Mail-Adresse ist bereits für unseren Newsletter angemeldet. 💚

heart
product
Geschenk für dich 🎁

Wissen von Tierärzten abonnieren & 10 % Rabatt sichern

Mit unserem Newsletter erfährst du alles zuerst: Tipps & Tricks unserer erfahrenen Tierärzte, exklusive Shop-Angebote & neue Produkte.

Nur gültig bei erstmaliger Anmeldung.

Willkommen im Rudel! Bitte überprüfe deinen Posteingang auf Nachrichten von uns. 💚

Deine E-Mail-Adresse ist bereits für unseren Newsletter angemeldet. 💚