Scheinschwangerschaft beim Hund: Was das bedeutet und ab wann ich meinem Tier helfen muss

Eine Scheinschwangerschaft beim Hund kommt bei unkastrierten Tieren vor und ist mit Änderungen im Verhalten und im Körper verbunden. Ist deine Hündin anhänglicher als normalerweise, reagiert empfindlicher auf Stress oder hat geschwollene Zitzen? Dann kann es gut sein, dass dein Hund scheinschwanger ist. 

Kurz zusammengefasst:

Eine Scheinschwangerschaft ist bei Hündinnen ganz natürlich und wird einige Wochen nach der Trächtigkeit durch die Hormone Progesteron und Prolaktin ausgelöst. Der Vorgang einer Scheinschwangerschaft dauert in der Regel drei bis zwölf Wochen. Meist verläuft sie ohne Komplikationen für die Hündin. In manchen Fällen kann eine Scheinschwangerschaft aber auch unangenehm für das Tier werden. In solchen Fällen empfehlen wir die Rücksprache mit einem Tierarzt. Was genau hinter einer Scheinträchtigkeit steckt, welche Probleme auftreten können und wie du deiner Fellnase in dieser Zeit beistehen kannst erfährst du in diesem Artikel.

1. Was bedeutet Scheinschwangerschaft beim Hund überhaupt?

Von einer Scheinschwangerschaft, auch Scheinträchtigkeit, spricht man, wenn Hündinnen hormonell eine Trächtigkeit durchlaufen, obwohl keine Befruchtung stattgefunden hat. Dieser Prozess ist aus biologischer Sicht völlig normal und hat durchaus gute Gründe. So sorgte früher beispielsweise eine durch die Scheinschwangerschaft ausgelöste Milchproduktion dafür, dass alle Jungtiere eines Rudels erfolgreich von mehreren Muttertieren (sogenannten Ammen) großgezogen werden konnten.

Ob es zu einer Scheinträchtigkeit kommt und wie sich diese äußert, ist von der jeweiligen Hündin abhängig. Manche Hündinnen zeigen im Laufe der Scheinschwangerschaft ein verändertes Verhalten oder körperliche Symptome. Wie oft deine Hündin im Jahr läufig wird hängt unter anderem von der Rasse und dem gesundheitlichen Zustand ab.

Die Scheinschwangerschaft im Hormonzyklus einer Hündin

Hündinnen haben, wie auch wir Menschen, einen Sexualzyklus. Dieser sichert die Fortpflanzung und besteht aus zwei Hauptphasen - der Follikelphase mit dem Eisprung und der Gelbkörperphase, dem Zeitpunkt einer möglichen Befruchtung. Ein gesamter Zyklus läuft von dem Zeitraum einer Läufigkeit bis zur nächsten. Im Laufe dieser Phasen kommt es zur Veränderung in den Eierstöcken und an der Gebärmutterschleimhaut. Der erste erkennbare Zeitraum der Läufigkeit ist der sog. Proöstrus, in welchem es zu blutigem Ausfluss aus dem Vaginalbereich kommt. Etwa 7-10 Tage später verändert sich das Sekret und wird klarer.

Jetzt beginnt der Östrus und damit die Zeit des Eisprungs. Im Östrus zeigt die Hündin die sog. Stehtage, welche auch als Standhitze bezeichnet werden. Die Hündin nimmt meist aktiv den Schwanz zur Seite und ermöglicht den aufreitenden Rüden einen festen “Stand”. Meist liegt der Eisprung am Tag sieben bis zehn des Östrus. Nach dieser Phase, ob mit oder ohne Befruchtung, sinkt der Progesteronspiegel und der Prolaktinspiegel steigt.

Durch die Veränderungen im Hormonhaushalt der Hündin kann dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht werden. In der Regel dauert eine Scheinträchtigkeit 3 bis 12 Wochen und kann ohne weitere Komplikationen verlaufen.

2. Symptome: Wie äußert sich eine Scheinschwangerschaft beim Hund?

Verursacht wird eine Scheinschwangerschaft durch hormonelle Veränderungen, welche aber ganz natürlich für den Zyklus der Hündin sind. Der Anstieg des Prolaktinspiegels führt unter anderem zu einem Anschwellen des Drüsengewebes im Gesäuge und zu einer Anregung der Milchproduktion. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Gesäugeentzündung mit Rötungen, vermehrter Wärme und Schmerzen kommen. Da dem Körper eine Schwangerschaft, bzw. eine Mutterschaft vorgetäuscht wird zeigen sich auch Veränderungen im Verhalten des Tieres.

Dazu zählen unter anderem Anhänglichkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Nestbauverhalten, Lustlosigkeit bis hin zu depressivem Verhalten. Viele Hündinnen reagieren in diesem Zeitraum anfälliger auf Stress, oder sie zeigen Angstverhalten. Ob die Verhaltensänderungen und Symptome für deinen Liebling zur Belastung werden, ist ganz individuell.

Die häufigsten Merkmale, die auf eine Scheinträchtigkeit hinweisen, sind: 

  • Anhänglichkeit

  • Unruhe und Aggressivität 

  • Erhöhtes Schlafaufkommen

  • Stressempfindlichkeit

  • Antriebslosigkeit und depressives Verhalten

  • Appetitlosigkeit

  • Vergrößerung des Bauches und der Zitzen 

  • Nestbauverhalten 

Scheinschwangerschaft ist etwas anderes als eine Scheinmutterschaft

Die Scheinschwangerschaft wird umgangssprachlich auch häufig als Scheinmutterschaft bezeichnet, wobei eigentlich der Zeitpunkt der Scheinmutterschaft zeitlich versetzt eintritt. Bei jeder Hündin, ob tragend oder nicht, kommt es zum Anstieg von Progesteron.

Dem Körper wird eine Trächtigkeit vorgegaukelt. Es kann in dieser Zeit schon zum Wachstum des Gesäuges kommen. Etwa zwei Monate nach der Läufigkeit kommt es durch das Hormon Prolaktin zur Bildung von Milch im abgebildeten Gesäuge. Meist versiegt die Milchproduktion wieder nach wenigen Tagen und bleibt vom Besitzer unbemerkt. Bei einer “scheinträchtigen” Hündin allerdings bleibt sie erhalten.

3. Ab wann sollte ich den Tierarzt kommen lassen?

Meistens reguliert sich der Hormonspiegel wieder von selbst, wodurch die Merkmale der Scheinträchtigkeit auf natürliche Weise mit der Zeit abklingen. In diesen Fällen ist ein Besuch vom Tierarzt also nicht nötig.

Sollte deine Hündin sehr unter den Symptomen leiden oder es zu einem übermäßig warmen Gesäuge mit verhärteten geröteten Stellen kommen, solltest du jedoch mit einem Tierarzt sprechen. Dies ist auch der Fall, wenn sich die Scheinträchtigkeit öfter wiederholt oder du dir nicht ganz sicher bist, ob die Hündin vielleicht doch schwanger sein könnte. Grundsätzlich brauchst du dir bei einer Scheinträchtigkeit aber keine Sorgen machen.

4. Behandlungsmöglichkeiten durch den Tierarzt

Wenn dein Hund scheinschwanger ist, können Medikamente die Symptome lindern. Zum Einsatz kommen können beispielsweise Prolaktin-Hemmer. Sie blockieren die Ausschüttung des Hormons, wodurch vor allem die Symptome im Bereich des Gesäuges gemildert werden.

Eine weitere langfristige Möglichkeit ist die Kastration. Allerdings sollte sie als letztes Mittel genutzt werden, da diese unumkehrbar ist und ebenfalls Nebenwirkungen mit sich ziehen kann. Dein Tierarzt klärt dich gerne darüber auf, ob eine medikamentöse Behandlung oder eine Kastration für dein Haustier sinnvoll ist.

5. Risiko durch die Scheinschwangerschaft

An sich ist eine Scheinträchtigkeit für deine Hündin relativ ungefährlich. Allerdings können Entzündungen der Milchdrüsen, also des Gesäuges, ausgelöst werden. Im Fall einer Entzündung des Gesäuges sollte ein Belecken durch die Hündin verhindert werden, da die Milchproduktion weiter angeregt wird. Falls sich die Zitzen stark entzündet haben, sollten diese vom Tierarzt direkt behandelt werden.

Bei Hündinnen, die im Anschluss an jede Läufigkeit eine ausgeprägte Scheinschwangerschaft entwickeln, sollte über eine Kastration nachgedacht werden. Dadurch kann einer Gebärmutterentzündung vorgebeugt werden, die sich als Folge der hormonelle Fehlsteuerung entwickeln kann.

Tipps, Tricks und Hausmittel für deinen scheinschwangeren Hund

Sollte die Scheinschwangerschaft bei deiner Hündin mild verlaufen, kannst du ihr während der Zeit unterstützend zur Seite stehen. 

Um die Verhaltenssymptome zu reduzieren, hilft es den Hund vermehrt durch Spaziergänge zu beschäftigen und abzulenken. Unsere Tierärztin Annette empfiehlt zudem Spielzeuge, welche als Welpenersatz genutzt werden, unauffällig wegzuräumen. So können eventuelle Muttergefühle verringert werden. Um die Milchproduktion zu verringern kann die Futtermenge etwas reduziert werden. Was du unbedingt vermeiden solltest, ist das unnötige  Streicheln des Bauches, vor allem des Gesäuges, da dies die Milchproduktion anregt. Bei stark geschwollenem Gesäuge können kalte, feuchte Tücher helfen. Ein T-Shirt kann als Leckschutz angelegt werden.

Ansonsten ist es in jedem Fall hilfreich, wenn du für deinen Liebling da bist und ihm ein gutes Gefühl gibst.

Hintergrund der Scheinträchtigkeit bei Hunden - von unserer Tierärztin Frau Dr. Annette Klatzek

Gibt es für das Phänomen aus biologischer Sicht einen Grund? 

Ein typisches Wolfsrudel besteht aus Elterntieren, Jungtieren des Vorjahres und Jungtieren des aktuellen Jahres. Manchmal bleibt auch eine Tochter länger, oder die beiden Eltern haben sich grade erst gefunden. Das ranghöchste Weibchen (Mutter) bekommt Welpen, die anderen (Töchter des Vorjahres) nicht. Diese jungen Wölfinnen können aber natürlich schon eine Scheinschwangerschaft zeigen. Durch diese Scheinschwangerschaft können die jungen Wölfinnen im Bedarfsfall als Amme einspringen.

  • Die Scheinschwangerschaft beim Hund äußert sich durch körperliche Symptome und/oder Verhaltensänderungen. Dazu zählen z.B. das Anschwellen des Gesäuges und die Milchbildung.  Zu den Verhaltensänderungen zählen unter anderem Anhänglichkeit, Appetitlosigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Nestbauverhalten, Lustlosigkeit bis hin zu depressivem Verhalten.

  • Eine Scheinschwangerschaft ist ein natürliches Phänomen. Das heißt, dass deine Hündin das ganz ohne Tierarzt und Medikamente durchleben kann. In diesem Fall hilft es bereits, wenn du deine Hündin gut beschäftigst, z.B. öfter Gassi gehst. Auch das Spielzeug solltest du in dieser Zeit unbemerkt weglegen, weil das die Muttergefühle verstärken kann. Medikamentös kann mit Prolaktin-Hemmern oder auch nur homöopathisch vorgegangen werden. In wiederkehrenden, schweren Fällen solltest du mit deinem Tierarzt über eine mögliche Kastration sprechen.

  • In der Regel dauert eine Scheinschwangerschaft ca. 3 bis 12 Wochen und kann ganz unterschiedlich verlaufen. Die Dauer und Intensität hängt sowohl von der Rasse als auch vom gesundheitlichen Zustand deines Tieres ab, aber auch vom Individuum selbst.

  • Die Scheinschwangerschaft wird durch den Anstieg des Prolaktinspiegels ausgelöst und klingt durch den Abfall desselben wieder selbstständig ab. Dieser Vorgang kann bis zu 30 Tage andauern.

  • Eine Scheinschwangerschaft ist bei Hündinnen etwas ganz Natürliches und wird in der Regel drei bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit ausgelöst. So sorgte früher beispielsweise eine durch die Scheinschwangerschaft ausgelöste Milchproduktion dafür, dass alle Jungtiere eines Rudels erfolgreich von mehreren Muttertieren (sogenannten Ammen) großgezogen werden konnten.

  • Bei Symptomen wie dem Anschwellen der Zitzen werden häufig Prolaktin-Hemmer eingesetzt, damit die Milchproduktion gestoppt wird. Sind bereits schmerzhafte Entzündungen am Gesäuge vorhanden, werden diese mit Antibiotika behandelt.

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