Wichtiger als gedacht: Die richtige Zahnpflege für Katzen
Vielen Besitzern ist nicht bewusst, wie wichtig Zahnpflege bei Katzen ist. Ungefähr ein Drittel aller Katzenbesitzer lassen die Zähne ihrer Katze nie beim Tierarzt untersuchen. Dabei sind Katzenzähne, wie Menschenzähne, bei unzureichender Mundhygiene anfällig für Plaque, Zahnstein und Zahnfleischentzündungen. Hier erfährst du die Ursachen und wie du deine Katze davor schützen kannst.
Das faszinierende Katzengebiss
Da Katzen Fleischfresser (Carnivoren) sind, ist ihr Gebiss dazu gemacht Beute zu schnappen, zu töten und mundgerecht zu zerlegen. Sie können ihren Unterkiefer kaum verschieben, sodass sie ihren Kopf beim Kauen in verschiedene Richtungen bewegen. Erwachsene Katzen haben 30 Zähne, davon 16 oben und 14 unten, die verschiedenen Kategorien angehören:
Schneidezähne: Erwachsene Katzen besitzen jeweils sechs davon.
Fangzähne: Katzen haben insgesamt vier spitze Fang- bzw. Eckzähne, mit denen sie ihre Beute fangen und mit einem gezielten Biss in den Nacken töten.
Vordere Backenzähne: Im Katzengebiss gibt es insgesamt zehn davon, sechs oben und vier unten. Sie sind nicht ganz so ausgeprägt wie die Fangzähne, aber ebenfalls spitz. Die Fellnase zerreißt damit ihre Nahrung.
Hintere Backenzähne: Diese fehlen beim Milchgebiss und entwickeln sich erst im bleibenden Gebiss. Am Ober- und Unterkiefer befinden sich dann jeweils zwei Molaren, mit denen ebenfalls Futter zerkleinert wird.
Neben dem Aspekt der Nahrungsaufnahme und Verteidigung hat das Gebiss der Katze noch eine weitere Funktion. Sie nutzen es um sich zu putzen und ihr Fell zu pflegen. Mit ihren Schneidezähnen fischen sie Flöhe aus ihrem Fell und entfernen Verschmutzungen oder Verfilzungen. Gesunde Katzenzähne sind also auch für die Körperpflege wichtig.
Zahnpflege schützt vor Entzündungen & Krankheiten
Bei der Zersetzung der Futterreste durch Bakterien entstehen Säuren und Zahnbeläge. Die Säuren greifen das Zahnfleisch an, das sich daraufhin entzündet, eine raue Oberfläche bekommt und sich schließlich vom Zahn ablöst. So entstehen zwischen Zahn und Zahnfleisch sogenannte Zahnfleischtaschen in denen sich Bakterien sammeln.
Darüber hinaus bilden sich an den Zähnen Beläge, die durch die Ablagerung von Bakterien und Futterresten hervorgerufen werden. Durch die Verbindung von Mineralstoffen, Speichel und dem Zahnbelag (Plaque) entsteht Zahnstein. Ist Zahnstein bereits entstanden, reicht das Zähneputzen nicht mehr aus. Zahnstein muss, meistens unter Inhalationsnarkose, vom Tierarzt per Ultraschallgerät entfernt werden. Unter Umständen müssen Zahnfleischtaschen entfernt werden. Nach der Behandlung ist der Beginn der Zahnpflege notwendig, um diese Probleme künftig zu vermeiden. Denn Plaque, die Vorstufe vom Zahnstein, kannst du regelmäßig selbst entfernen und ersparst deiner Fellnase damit die unangenehmen Folgen.
Zähne die bräunlich-gelb verfärbt sind oder braune Ränder am Zahnfleisch sind ein Anzeichen für ein schlechtes Gebiss an dem sich bereits Plaque gebildet hat. Ein schlechter Atem kann ebenfalls ein Zeichen für Zahnprobleme und Zahnfleischentzündung sein. Dies ist äußerst schmerzhaft für deine Katze und kann lange Zeit vollkommen unentdeckt bleiben, da Katzen Meister im Verstecken von Schmerzen sind. Durch die Schmerzen kommt es irgendwann zur Futterverweigerung und Mangelerscheinungen können die Folge sein. Da sich durch Zahnstein und Zahnfleischprobleme dauerhaft Bakterien entwickeln, können diese in die Blutbahn gelangen und zu weiteren Erkrankungen führen.
Hier die Symptome im Überblick, an denen du eine Zahnfleischentzündung erkennst:
übler Mundgeruch
vermehrter Speichelfluss und Sabbern
blutiger Speichel
bräunliche Verfärbung der Zähne
feste Zahnbeläge, vor allem an den Backenzähnen
Verweigerung von (Trocken-)Futter
gerötetes Zahnfleisch
Weitere typische Krankheiten des Katzengebisses sind zum Beispiel die Folgenden:
Gingivitis: Zahnfleischentzündung zwischen Zahn und Zahnfleisch.
Parodontitis: Entzündung des Zahnhalteapparates, wodurch es zu Lockerungen der Zähne kommen kann.
Gingivarezession: Das Zahnfleisch bildet sich zurück, sodass die Zahnwurzeloberfläche freigelegt wird und Schmerzen entstehen.
Feline odontoklastische resorptive Läsionen (FORL): vermutlich Autoimmunerkrankung. Abbau von Zahnsubstanz durch körpereigene Zellen. Diese Erkrankung tritt meist in höherem Alter (ab 5 Jahren) auf. Die aufgezählten Rassen können meist häufiger und früher betroffen sein: Abessinier, Siamesen, Russisch Blau, Scottish fold und Perser.
Das Zähneputzen bei der Katze
Wie oft putzt du deiner Katze die Zähne? Die meisten Katzenbesitzer fangen bei dieser Frage an zu lachen. Es gibt tatsächlich leichtere Vorhaben, als einer Katze die Zähne putzen zu wollen. Katzen sind bekanntlich von Natur aus sehr eigenwillig und entscheiden gerne selbst darüber was mit ihnen geschieht. Um deine Katze vom Zähneputzen zu überzeugen brauchst du etwas Geduld. Das Beste ist, wenn du zunächst mit deiner Katze ausgiebig schmust, sie auf den Arm nimmst und vorsichtig ihre Lippen berührst.
Jetzt kannst du sanft abwechselnd die Seiten der Lippen nach oben ziehen, um ihr Zahnfleisch zu massieren und sie an die Berührungen zu gewöhnen. Belohne sie immer direkt nach einem Erfolg. Nach einer Weile wird deiner Katze diese Prozedur gefallen. Dann kannst du ein wenig Katzenzahnpasta auf deine Finger geben und die Zähne deiner Katze damit einreiben. Gehe danach noch einen Schritt weiter und verwende eine kleine, weiche Bürste. Dieser Gewöhnungsprozess kann einige Wochen dauern. Im Idealfall gewöhnst du deine Katze bereits in den ersten Lebensmonaten an diese Routine.
Neben der Gewöhnungsphase ist das richtige Equipment sehr wichtig. In unserem felmo Shop findest du eine große Auswahl an Zahnpflege-Utensilien. Es gibt z.B. nachhaltige Bambuszahnbürsten, Silikonfingerlinge und katzenfreundliche Zahnpasta. Bitte nutze unbedingt eine spezielle Tierzahnpasta, da die normale Zahnpasta Stoffe (z.B. Fluoride) enthält, die giftig für Katzen sind.
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Wichtiger Faktor: Das richtige Futter
Neben einer regelmäßigen Zahnpflege Routine ist das richtige Futter von großer Bedeutung für ein gesundes Gebiss, daher ist es sinnvoll auf hochwertiges Futter zu achten.
Es gibt verschiedene Meinungen über Trockenfutter: Da es keine Feuchtigkeit enthält, fehlt Katzen die Flüssigkeit, die sie mit einer anderen Mahlzeit automatisch aufnehmen würden. Einige Sorten Trockenfutter haben aber auch einen positiven Effekt bei der Zahnpflege: Beim Kauen werden die Katzenzähne mechanisch gereinigt und es sammeln sich weniger Futterreste in den Zahnzwischenräumen. Zusätzlich wird die Speichelbildung angeregt, wodurch sich weniger Zahnbelag bildet. Dies funktioniert aber nicht bei jedem Trockenfutter, da die Größe der Bröckchen, ihre Form und Textur ausschlaggebend sind.
Katzen sind reine Fleischfresser und verspeisen ihre erlegte Beute komplett. Fleischfasern, Fell wirken dabei wie eine natürliche Zahnbürste. Daher ist die Fütterung von rohem Fleisch die natürlichste Art, Katzenzähne gesund zu halten. Es enthält Fasern, die ähnlich wie Trockenfutter, einen Abrieb von Speiseresten bewirken. Allzu verwöhnte Stubentiger tun sich allerdings oftmals schwer mit dem Fressen von rohem Fleisch. Die Fleischbrocken müssen eine gewisse Größe haben, damit sich der reinigende Effekt einstellt und es zu einem Abrieb von Speiseresten und Belag kommt. Bitte informiere dich vorher genau, welches Fleisch das Richtige für deinen Vierbeiner ist.
Alternativ helfen Dentalsnacks für Zwischendurch, die die natürliche Zahnreinigung fördern. Viele Produkte enthalten auch spezielle Probiotika, die die Darmflora deines Lieblings gleich mit unterstützen.
Andere Alternativen zur Zahnpflege
Neben dem richtigen Futter ist es ratsam zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Sollte deine Katze das Zähneputzen ablehnen gibt es noch andere Alternativen für eine gesunde Zahnpflege.
Zerstäuber und Trinkwasserzusatz
Es gibt Zahnpflegesprays und Mundwasser, das du dem Trinkwasser deiner Katze beimischen kannst.
Bewegung
Freigängerkatzen, die viel unterwegs sind, haben weniger Probleme mit der Bildung von Zahnstein, da sie Mäuse fressen. Darüber hinaus trinken sie mehr Wasser als Wohnungskatzen, was dafür sorgt, dass die Zähne durchgespült werden und sie fressen weniger Nassfutter.
Regelmäßige Kontrolle vom Tierarzt
Der Status der Zähne deines Lieblings sollte regelmäßig von einem Tierarzt kontrolliert werden, mindestens einmal im Jahr. Buche dir einfach einen Termin und unsere Tierärzte kommen zu dir nach Hause und geben dir einen umfangreichen Statusbericht über den Zustand des Gebisses deiner Katze. Sie informieren dich über eventuell notwendige Maßnahmen und können dir individuelle Zahnpflege-Tipps geben.
Fazit
Zahnpflege ist äußerst wichtig und sollte unbedingt beachtet werden. Wenn dir das Zähneputzen zu aufwendig ist oder dein Tier es nicht zulässt gibt es viele Alternativen Karies und Plaque zu bekämpfen. Es ist auch empfehlenswert sich bei Anbietern von Katzenkrankenversicherung über Zusatzleistungen im Bereich der dentalen Versorgung zu informieren.
Alles für ein gesundes Katzengebiss findest du hier: